Via dei Fossi

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Offiziell heißt sie "Via del Fosso", im Singular, aber für alle Einwohner von Lucca ist es die "Via dei Fossi", im Plural, denn nach einem ersten Abschnitt der Straße, der durch eine Erweiterung am Madonna dello Stellario Platz unterbrochen wird, folgt ein zweiter, der sich bis zu den Stadtmauern fortsetzt. Ein dritter Abschnitt, ursprünglich "via dei Fossi Coperti", wird heute Corso Garibaldi genannt und biete Anfang März ein einzigartiges Schauspiel blühender japanischer Magnolien.

 

Via dei Fossi ist definitiv eine der charakteristischsten Straßen von Lucca. Der Wassergraben wurde 1376 mit dem Ziel errichtet, den östlichen Teil der Stadt zu verteidigen, und folgte dem Verlauf der Stadtmauer.

Ein Spaziergang entlang der Via dei Fossi ermöglicht es uns, Lucca aus verschiedenen Blickwinkeln kennenzulernen, wo das Wasser offensichtlich die Hauptrolle spielt.
Diese Straße war über Jahrhunderte die Grundlage der Wirtschaft der Stadt, da das Grabenwasser als treibende Kraft für die zahlreichen Seidenlabors genutzt wurde. In der Seidenindustrie bietet Lucca tatsächlich einen Rekord. Es war der erste Ort, an dem verschiedene Techniken für die Verarbeitung in großem Rahmen unter Verwendung von hydraulischer Energie entwickelt  wurden.
Wegen der politischen Unruhen, die Lucca im 13. Jahrhundert unsicher machten, wanderten viele Kunsthandwerker aus Lucca in die wichtigsten Städte Norditaliens wie Venedig und Bologna aus, wo sie den Seidenhandel ausbauten, und die in der Via dei Fossi ins Leben gerufenen großen technologischen Innovationen verbreiteten.

 

 

Noch heute zeichnet sich die Straße durch eine spezielle Gebäudeart aus, die für die Tätigkeiten der Seidenverarbeitung geeignet ist: Offene Dachterrassen, die in den oberen Etagen zum Trocknen der Stoffe genutzt wurden und die Räume sind im Quergeschoss mit Kreuzgewölben versehen und ermöglichten den Antrieb verschiedener mechanischer Geräte durch das Grabenwasser. Der Wasserlauf war daher ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit, deren Endprodukt dann zum Trocknen entlang der Grabenmauern ordentlich angeordnet aufgehängt wurde.

 

1822 entwarf der Architekt Lorenzo Nottolini auf Anfrage der Herzogin von Lucca Maria Luisa dei Borbone eine richtige Wasserstraße, um "klares und reines Wasser" aus den Quellen in den Hügeln südlich von Lucca in die Altstadt zu bringen. Es gibt zwei schöne neoklassizistische Brunnen, die von den Einwohnern Luccas heute noch häufig verwendet werden und von Nottolini entworfen wurden. 

 

 

Wenn Sie die Via dei Fossi entlang gehen, können Sie die typische Athmosphäre der Stadt genießen und einige ihrer interessantesten Orte besuchen.

Zunächst die Villa Bottini-Buonvisi aus dem 16. Jahrhundert, das einzige Beispiel einer typischen Stadtvilla in lokalem Stil, mit ihrem prächtigen rechteckigen Garten, einer Loggia und vielfach dekorierten Räumen. Vor der Villa befindet sich die kleine Kirche der SS. Trinità aus dem Jahr 1589 mit der Madonna del Latte, einst eine stark verehrte Statue Matteo Civitalis, und die Porta San Gervasio, eines der beiden verbliebenen Tore der mittelalterlichen Stadtmauer, nur wenige Meter entfernt. Weiter südlich, am Ende der Via dei Fossi, befindet sich die Kirche Santa Maria della Rosa aus dem Jahr 1309, ein seltenes Beispiel für gotischen Stil in Lucca.

 

Die Schmiedewerkstätten, Wäschereien, Weber, Klempner und Schuhmacher sind heute nicht mehr vorhanden, aber der gesamte östliche Bereich von Lucca, der die Piazza San Francesco, die Via dei Fossi, die Via della Zecca und die Porta dei Borghi einschließt, erlebt derzeit ein kulturelles und kommerzielles Wiederaufblühen, und ist weniger touristisch als andere Bezirke, dank der Ansiedlung zahlreicher Kunstateliers, Maler, Bildhauer, Lederhandwerker, Brauereien und einiger der besten Trattorien der Stadt. Hinzu kommt die Präsenz des im Palazzo Boccella eingerichteten Museums für zeitgenössische Kunst L.u.C.C.A, das diese weniger bekannte Gegend von Lucca einzigartig macht.