Das raffinierte und prachtvolle Kleid mit seinem passenden Umhang ist ein äußerst seltenes Kunstwerk, das Elisa Bonaparte Baciocchi gehörte, wie umfangreiche Archivstudien belegen. Es stellt zudem ein herausragendes Beispiel französischer Stickkunst des Ersten Kaiserreichs dar, die für die Kleider von Prinzessinnen und Kaiserinnen bestimmt war, und ist ein bedeutendes Zeugnis des höfischen Repräsentationssystems, das in Lucca während Napoleons Herrschaft etabliert wurde.
Das Ensemble besteht aus einem Umhang und zwei dazugehörigen Kleidern aus weißem Seidentüll mit silberner Folienstickerei. Die ornamentalen Motive, darunter florale Muster und elegante, für den Empire-Stil typische Palmetten, schaffen eine klare stilistische Kontinuität zwischen Umhang und Kleid: Die Stickerei des Kleides greift das Palmettenmotiv des Umhangs auf und verleiht dem Ensemble so einen kraftvollen, einheitlichen und symbolischen Charakter. Diese Verzierungen lassen zudem eine deutliche Anlehnung an die Formensprache französischer Kaiserzeremonien erkennen, insbesondere an die Entwürfe von Jean-Baptiste Isabey für die Festgewänder zur Krönung Napoleons in Paris im Jahr 1804.
Das Ensemble ist eng mit der Zeit verbunden, in der Élisa das Fürstentum Lucca und Piombino (1805–1814) regierte, als die Stadt Sitz eines Hofes nach französischem Vorbild wurde. Élisa kaufte ihre Kleidung regelmäßig in Frankreich, im Einklang mit Napoleons Wirtschaftspolitik zur Förderung der nationalen Textilindustrie, wie die Korrespondenz ihrer Hofdame, der Gräfin de Laplace, belegt.
Es ist außerdem erwähnenswert, dass dieselben Maler und Architekten, die am Hof Napoleons tätig waren, den kaiserlichen Manufakturen die Entwürfe für diese kostbaren Stickereien lieferten, darunter Pierre-François-Léonard Fontaine und Charles Percier. Dadurch können Kleid und Mantel im Prinzensaal des Palazzo Mansi, im neoklassizistischen Teil, ausgestellt werden, da auch sie Ausdruck der künstlerischen Kultur und Formensprache des Ersten Kaiserreichs sind.